Flüchtling sein in Großbeeren

 

Hier geben wir Informationen über die Lebenssituation vor Ort im Übergangswohnheim (ÜWH).

 

Unter "Leben als Flüchtling" finden sie Informationen über die besonderen Lebensumstände eines Asylbewerbers/Flüchtling in Deutschland.  

 

Unter "Biographien" stellen Flüchtlinge uns persönliche Berichte bereit, die über die Lebensumstände in ihren Heimatländern, die Flucht und auch das Leben in Deutschland berichten. 

 

Nachfolgend der persönliche Bericht einer Helferin der "ersten Stunde". (Quelle: Gemeindeblatt Mai/Juni 2015, mit freundlicher Genehmigung des Redaktions- teams des Gemeindeblattes und Fr. van der Hoofd)

 

Wir erwarteten Flüchtlinge und es kamen Menschen
Schon seit Wochen bin ich hin und her gerissen. Auf der einen Seite das Bedürfnis, Sie alle teilhaben zu lassen an dem Geschehen rund um unser Übergangswohnheim in Großbeeren. Wobei Bedürfnis eigentlich das falsche Wort ist. Ist es doch eher das Empfinden, dass in Großbeeren etwas passiert, bei dem es wichtig ist, dass unsere Kirchengemeinde, aber auch andere, ein gewisses fundiertes Maß an Wissen vermittelt bekommt, damit sie mittragen kann. Doch auf der anderen Seite entsteht ein immer größeres Unvermögen, das, was man sieht, hört und erlebt, in Worte zu fassen. Wenn Menschen gesagt haben: „Ich kann darüber nicht reden“, so habe ich es zwar bisher nicht verstanden, wie das sein kann, aber ich konnte es akzeptieren. Heute erlebe ich es selber. Und wenn ich Dinge in Worte fasse, dann spüre ich, dass diese Worte nur einen Bruchteil von dem wiederzugeben vermögen, was Wirklichkeit ist. Und doch …
Es ist dieser Satz (in Anlehnung an Max Frisch: „Wir riefen Arbeitskräfte und es kamen Menschen“), der den Blick öffnet und unsere Wahrnehmungen in eine andere Richtung lenken will. Auch wenn sich auf dieser einen Etage einer alten Pension die Auswirkungen der Boshaftigkeit, Ignoranz und Hochmut einer ganzen Welt kumuliert, dann sind es die einzelnen Menschen und ihre Schicksale, die plötzlich greifbar werden und das, was tagtäglich in den Nachrichten berichtet wird, nahebringen und real machen.
Vielleicht gelingt es mir ja wenigstens ein bisschen, mit der Hilfe unserer neuen Freunde das Denken in Kategorien unserer Zeit etwas aufzubrechen.  

 

Woher kommen sie?  

Wenn ich richtig gezählt habe, wohnen im Großbeerener Übergangswohnheim fünf Nationen unter einem Dach: Menschen aus Pakistan, Syrien, Kamerun, Eritrea und Somalia teilen sich Küche, Bad und Fernsehzimmer, sind – nach Nationen – in Dreier- oder Zweierzimmern (große Ausnahme) untergebracht. Doch damit beginnt eigentlich schon die Irreführung. Weil das, was wir als Nationen betrachten, noch lange nicht zusammen gehört. Das, was Kolonialmächte als Staaten (in Selbstständigkeit) zurückgelassen haben, sind in Wirklichkeit zerstückelte Clans und Volksstämme, die gar nicht unbedingt zusammengehören. So kann es passieren, dass im Zimmer der Pakistani ein Christ aus dem Süden des Landes mit einem jungen Mann aus Kashmir (Muslim) und einem anderen
Pakistani zusammenleben muss. Wenn sie Glück haben, sprechen sie denselben Dialekt, wenn nicht, dann sprechen sie sogar total unterschiedliche Sprachen.
Die Sprachen, die zwei somalische Bewohnerinnen sprechen, sind selbst vom Wortstamm her so unterschiedlich, dass sie sich nur mit Zeichensprache verständigen können. Zumindest sind sie beide Musliminnen. Anders sieht es bei den Syrern aus, da gibt es ein Zimmer, in dem ein Katholik mit einem Angehörigen der Drusen und einem muslimischen Kurden zusammenliegt. Aber alle kommen – der Landkarte nach zu schließen – aus Syrien.
Wenn ich mich mit den beiden Mädchen aus Eritrea unterhalten möchte, brauche ich meistens zwei Übersetzter: einer übersetzt mein Englisch in eine der dortigen Sprachen, der übersetzt es für den Nächsten in eine andere eritreische Sprache und dieser übersetzt es dann wieder für die Mädchen. Zu den Kamerunern bin ich noch gar nicht richtig vorgedrungen.  

 

Wie sind die Flüchtlinge versorgt?
Jeder Bewohner ist mehr oder weniger abhängig vom zuständigen Sozialamt, und das nicht nur, weil er von dort seinen monatlichen Unterhalt (325,-- €) bekommt, sondern im Grunde genommen in allen Belangen.
Ganz besonders zu spüren bekommen wir das, wenn es um die Gesundheitsversorgung geht. Für jeden Arztbesuch braucht es eine schriftliche Kostenübernahmebestätigung des Sozialamtes und zwar namentlich. Das heißt, der Name des Patienten und der des behandelnden Arztes sowie das Datum der Behandlung stehen auf diesem Schein, außerdem eine Belehrung, die eigentlich nur eines deutlich macht, dass nur die allernotwendigsten Untersuchungen/Behandlungen erlaubt sind und abgerechnet werden dürfen. Alles andere muss wieder neu angefragt werden. Übrigens verlassen Sie sich nicht auf mündliche Zusagen. Den Fehler habe ich auch schon gemacht … Die Beschränkung auf allernotwendigste Untersuchungen/Behandlungen kann auch dazu führen, dass im Grunde genommen eine Untersuchung gar nicht möglich ist. Gerade für die Frauen eine unmögliche Situation, denn wie will ein Frauenarzt eine Untersuchung ohne Ultraschall machen? Doch der wird nicht bewilligt, wie ich selber erlebt habe, da hilft es auch nicht, wenn von der Praxis aus nachgefragt wird.
Längerfristige Therapien durch einen Spezialisten, müssen extra bewilligt werden. Manchmal wird zur Überprüfung, ob die Behandlung wirklich notwendig ist, der Amtsarzt eingeschaltet.
Gerade von Frauen und traumatisierten Menschen wird dies oft als entwürdigend und unerträglich empfunden.
Eine weitere Dimension erhält diese Problematik noch, weil nicht alle notwendigen Ärzte in Großbeeren vorhanden und so für die Flüchtlinge nicht immer so einfach erreichbar sind. Zwar gibt es manchmal – wenn man es länger plant – einen Ehrenamtlichen, der die eine oder andere Fahrt übernimmt, aber das kann natürlich nicht immer gewährleistet werden. Dieses ständige Gefühl der Abhängigkeit, ob es sich jetzt um die Unterstützung durch Ehrenamtliche oder von den Ämtern handelt, ist für die Betroffenen oftmals sehr belastend.
Es gab schon Situationen, in denen sich der kassenärztliche Notfalldienst geweigert hat, zu kommen. Doch inzwischen macht das Sozialamt auch Schwierigkeiten, einen Krankentransport zu zahlen. Wenn die erkrankten Flüchtlinge noch laufen können, dann können sie auch selbstständig ins Krankenhaus fahren. Wird trotzdem ein Krankentransport bestellt, dann kann es passieren, dass das Sozialamt die Kosten nicht übernimmt und der Flüchtling diese selber zahlen muss. Ein Taxi wäre da günstiger (zum Krankenhaus Ludwigsfelde 16,-- €). Wird ein Dolmetscher benötigt (denken wir zum Beispiel mal an eine Traumatherapie) dann muss der Flüchtling diese Kosten selber zahlen (ein Dolmetscher kostet zwischen 15,-- und 20,-- Euro die Stunde).  

 

Warum mussten sie fliehen?
Von Amts wegen wird ein Unterschied gemacht zwischen politischen Flüchtlingen, Opfern von Gewalt und Verfolgung und anderen (worunter auch die Kategorie Wirtschaftsflüchtling fällt). Doch wenn man vor Ort ist und mit diesen Menschen spricht – wer bin ich, um dann zu versuchen, sie in eine Kategorie zu zwängen?
Die Gründe, warum die Menschen fliehen mussten, sind so unterschiedlich wie die Menschen selbst und doch gibt es immer wieder vergleichbare Situationen, die als Auslöser dienen. Da sind zum einen extremistische Gruppierungen wie die IS, Al- Quaida, Taliban, Boko Haram, Al Shabaan und verschiedene lokale kleine Absplitterungen dieser Gruppierungen. Allen gemeinsam ist eine gewisse Grunddogmatik: Ablehnung alles Westlichen, Verbreitung der Lehre des Propheten und der Dscchihad. Unter Berufung auf den Koran nehmen sie das Recht für sich in Anspruch, ihre Überzeugung mit Gewalt und Krieg durchzusetzen. Doch egal mit welcher dieser Gruppierungen unsere Flüchtlinge es zu tun hatten, das was sie berichten hört sich ähnlich an: Menschen werden entführt, die Männer meistens gefoltert und getötet oder zum Militärdienst gezwungen, die Frauen
verschleppt, manchmal zwangsverheiratet, meistens jedoch als Sklavinnen (nicht selten auch als Sexsklavinnnen) gefangen gehalten. Dabei darf man nicht von dem Trugschluss ausgehen, dass sie alle zusammenbleiben oder die Gruppierungen sich an offizielle Landesgrenzen halten. Aufgeteilt in kleinere Gruppen bewegen sie sich über die Grenzen hinweg. Was die Frauen und Männer, die solchen Gruppierungen ausgeliefert sind, durchmachen, kann man sich nicht vorstellen und es ist eine Minderheit, denen die Flucht gelingt und die oftmals schwer traumatisiert sind. Ein Leben in der alten Heimat, egal in welchem Gebiet, ist nicht mehr möglich. Aus dieser Blickrichtung wirkt das Einstufen von bestimmten Gebieten innerhalb eines Landes als „sicher“ wie der blanke Hohn. Auch wenn die sichtbaren Auswüchse dieser Radikalisierung nur lokal beschränkt scheinen, ihre Wurzeln und Verbindungen durchziehen ganze Länder bis weit in friedliche Gebiete hinein.
Es ist der Wunsch nach Freiheit, nach einem selbstbestimmten Leben in Würde, der unsere Flüchtlinge eint. Dort, wo Willkür und Diktatur herrschen, ist eher das Gegenteil der Fall. Wenn die Männer in Eritrea nicht zum Militärdienst wollen, so hat das weniger mit Fahnenflucht zu tun, als mit dem Wissen, dass man dann der Willkür des Staates erst recht ausgeliefert ist. Keiner weiß, wann dieser Dienst ein Ende hat, keiner weiß, was schlussendlich von ihm wirklich erwartet wird in diesem Dienst.
Auch die Menschen aus Syrien haben ihr Land nicht verlassen, weil dies der bequemere Weg ist. Viele von ihnen hatten ein gesichertes Einkommen, ja sogar einen gewissen Wohlstand. Haben sie vorher Haus und Garten gehabt, müssen sie nun zu dritt in einem Zimmer mit Fremden wohnen. Meist auch noch getrennt von ihren Familien. Familienväter oder -mütter haben es nach Deutschland geschafft, die Kinder (vom Kindergartenalter bis zum Erwachsenen) sind im Libanon oder der Türkei.  

 

Wie sieht die Zukunft aus?
Die Flüchtlinge möchten leben. Sie möchten selbstständig leben und sie möchten endlich die Zukunft in Angriff nehmen. Doch viele der Flüchtlinge sind schwer traumatisiert. Dazu kommt auch die ständige Bedrohung der zurückgebliebenen Angehörigen. Der Flüchtling selbst erhält oft noch, gerade über diese Angehörigen, Todesdrohungen. Fachliche Hilfe ist dringend notwendig, Therapien, damit diese Menschen mit der Vergangenheit abschließen und die Zukunft angehen können. Doch das wird verhindert.
Zum einen ist gerade diese Vergangenheit der Schlüssel für einen erfolgreichen Asylantrag. Bei dem „Interview“, wie die Flüchtlinge die diesbezügliche Befragung durch das Amt in
Eisenhüttenstatt nennen, wird immer wieder gefragt nach genau diesen traumatisierenden Erlebnissen. Befragungen von 1,5 bis 2 Stunden sind keine Seltenheit.
Zum anderen ist es sehr schwer, geeignete Hilfe für die Flüchtlinge zu erhalten. Der Weg zu einer Therapie ist lang und steinig, er geht nur über das Sozialamt und ist abhängig davon, ob der Flüchtling die Kostenübernahmezusage bekommt. Laut telefonischer Auskunft auf eine konkrete Nachfrage, geht dieser Weg im Grunde genommen erst über den Amtsarzt. Doch will ich einem Flüchtling, besonders wenn es sich um eine Frau handelt, diese zusätzliche Belastung, die oftmals auch als Erniedrigung empfunden wird, zumuten? Und selbst wenn alle Bewilligungen da sind, es gibt viel zu wenig spezialisierte Traumatherapeuten, die dann auch noch die passenden Sprachkenntnisse haben oder bereit sind, mit Sprachmittlern zu arbeiten, deren Kosten der Flüchtling meist selber tragen muss.
Und so bleibt vielen Flüchtlingen nur eine medikamentöse Therapie. Die zumindest einige Zeit Hilfe bietet gegen Angstzustände und schlaflose Nächte. Von der Abhängigkeit, die eventuell entstehen kann, möchte ich gar nicht reden.  

 

Wie können sie sich beschäftigen?
Untätigkeit macht krank. Die Flüchtlinge brauchen eine Aufgabe, sie sind auf der Suche nach Beschäftigung und so mancher Betrieb ist durchaus bereit, auch Flüchtlingen einen Arbeitsvertrag anzubieten. Doch auch das ist fast unmöglich.
Eigentlich können Flüchtlinge nach drei Monaten eine Arbeitserlaubnis bekommen. Doch ganz abgesehen davon, dass dies von ihrem Aufenthaltsstatus abhängig ist, brauchen sie dafür erstmal die Erlaubnis der Ausländerbehörde, die seinerseits beim Jobcenter nachfragen muss, wenn sie überhaupt willens ist diese Zustimmung zu erteilen. Doch das ist noch nicht alles. Der Flüchtling hat ein nachrangiges Recht auf Arbeit, das heißt erst kommen andere (in Deutschland wohnende Bürger) an die Reihe. Eigentlich eine Zweiklassengesellschaft. Auch der Arbeitgeber muss beim Arbeitsamt angeben, dass er einen Arbeitsplatz zu vergeben hat, dass er diesen Arbeitsplatz nicht mit einem „regulären“ Bewerber besetzen konnte. Das Arbeitsamt seinerseits schickt dem Arbeitgeber auch Arbeitssuchende. Der Arbeitgeber muss eine gute Begründung und einen langen Atem haben, wenn er dann immer noch darauf besteht, einem Flüchtling den Vorzug zu geben. Dabei ist es im Ganzen gesehen noch viel komplizierter. Es gibt noch einige Wenn und Aber, die hier aber nicht ausgeführt werden sollen. Man suche die Hintertür …  

 

Hilfe bei den ersten Schritten
Nach einer Sollvorschrift, sollen die Flüchtlinge in ihren Übergangswohnheimen im Land Brandenburg von Sozialarbeiter/-innen oder Sozialpädagogen/-innen betreut werden. Der Betreuungsschlüssel beträgt dabei zurzeit 1:120, das heißt, ein Sozialarbeiter für 120 Flüchtlinge in Vollzeit. Somit steht für die Arbeit mit den einzelnen Flüchtlingen nur noch sehr wenig Zeit zur Verfügung. Die Betreuungsaufgaben verdrängen die Beratungsaufgaben weitgehend, eine qualifizierte Beratung kann nicht mehr stattfinden.
In der Praxis heißt das, dass das Heim in Großbeeren mit seinen 60 Flüchtlingen (beiderlei Geschlechts) nur mit einer halben Stelle für einen Sozialarbeiter besetzt ist. Dabei könnte durch den Landkreis auch mehr Personal eingesetzt werden. Bei diesen Vorgaben handelt es sich um Mindestbedingungen, die sich auf den Berater beziehen und nicht auf die Betreuung im Allgemeinen. Hierfür könnte ohne Probleme weiteres Personal eingestellt werden, das nicht unbedingt qualifiziert sein müsste. Vier Stunden pro Tag - für eine wirkliche Beratung, für eine Begleitung bei den ersten Schritten der Flüchtlinge bleibt eigentlich keine Zeit. Die restlichen 20 Stunden eines Tages ist ein Wachdienst anwesend, der Neuzugänge aufnimmt, bei Problemen Rede und Antwort stehen muss, bei Notfällen Entscheidungen treffen soll. Dabei besteht der Wachschutz, der in Großbeeren Dienst tut, nur aus Männern, die keinerlei sozialarbeiterische Ausbildung besitzen. Im Heim sind aber auch Frauen!
Damit die Flüchtlinge aus dieser Situation der Bevormundung herauskommen und so schnell wie möglich selbstständig werden können, brauchen sie aber mehr Begleitung und Betreuung. Sozialarbeiter, Sozialpädagogen, Sozialassistenten und Psychologen und zwar beiderlei Geschlechts sind nötig. Hier geht es um Hilfe zur Selbsthilfe, als Begleitung bei den ersten Schritten. Die Flüchtlinge sollen nicht entmündigt werden, aber sie müssen in zwei bis drei Monaten alles das lernen, wofür unsere Kinder Jahre brauchen dürfen. Dazu kommen noch besonders schutzbedürftige Flüchtlinge, die es in jedem Heim gibt! Besonders schutzbedürftige Flüchtlinge sind zum Beispiel Frauen, die sexueller Gewalt ausgesetzt waren, Folteropfer, Jugendliche….  

 

Wo finden Sie Hilfe in Ihrem Verfahren?
Flüchtlinge brauchen Beratung. Das fängt schon bei den ersten offiziellen Briefen an. Diese sind nämlich grundsätzlich in Deutsch geschrieben, ohne eine Übersetzung wenigstens ins Englische, geschweige denn in eine der betreffenden Landessprache. Solche Briefe bedeuten auch immer, dass man dem Flüchtling jetzt auch erklären muss, was das für ihn bedeutet: ist
es einfach ein Mitteilung, eine Information? Werden erste Termine genannt? Werden Fragen gestellt, muss der Flüchtling vielleicht schon Formulare ausfüllen?
Und damit kommt schon das nächste Problem: Viele Flüchtlinge sprechen kaum oder kein Englisch und schon gar kein Deutsch. Das bedeutet, man braucht Übersetzer. Dazu kommt, dass es eine beachtliche Anzahl von Flüchtlingen gibt, die Analphabeten oder zumindest der lateinischen Schrift nicht mächtig sind.
Ein Asylverfahren zieht auch meistens rechtliche Fragen nach sich. Welche Rechte hat der Flüchtling? Wie sieht sein Asylverfahren aus, braucht er vielleicht sogar juristischen Beistand. Das kostet dann wieder Geld, was der Flüchtling von seinen 325,- € Sozialhilfe zahlen muss. Es gibt zwar für die Flüchtlinge unentgeltliche Flüchtlingsberatungsstellen, doch die sind chronisch unterbesetzt. So hat die Flüchtlingsberatung des Diakonischen Werkes, die für den Landkreis Teltow Fläming zuständig ist, gerade einmal eine halbe Stelle für den gesamten Landkreis. Diese Zeit könnte schon allein mit den Flüchtlingen aus Großbeeren ausgefüllt werden, doch betreut werden müssen auch die Heime in u.a. Ludwigsfelde, Luckenwalde und Jüterbog sowie Flüchtlinge in Wohnungen. Und in Blankenfelde-Mahlow kommt demnächst noch ein Heim dazu. Eine halbe Stelle ist definitiv zu wenig!  

 

Und jetzt?
60 Menschen sind im Laufe von zwei Monaten in Großbeeren angekommen und machen das Bild bunter, das Leben reicher. Sie wollen sich mitteilen, sie wollen uns an ihrer Kultur teilhaben lassen und sie wollen eines: nämlich in ihrer Ganzheit wahrgenommen, in ihrer Würde als Mensch behandelt werden. Sie wollen leben! Als Teil unserer Gemeinschaft und ihren Anteil dazu beitragen! Ich habe schon viele Freunde dort gewonnen, ja ich erlebe tagtäglich Situationen, höre Geschichten, von denen ich in dem Moment nicht weiß, wie ich in der Nacht noch schlafen soll. Aber ich darf auch eine uneingeschränkte Freude miterleben, wenn ich die Jungs aus Eritrea und Kamerun auf ihren Fahrrädern fahren sehe. Ich darf an einer Gastfreundschaft teilhaben, wenn die Frauen aus Syrien oder die Männer aus Pakistan mich zu einer Tasse Tee einladen. Es ist dieser pulsierende Lebenswille, der trotz allem immer wieder durchbricht und vor dem ich großen Respekt und Achtung habe. Lassen wir diese Menschen auch weiterhin willkommen heißen in unserer Mitte!  

 

(Celine van der Hoofd)
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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